Wetzlarer
Kunstverein

Berichte über Vereinsaktivitäten
Wetzlarer Kunstverein
Bericht der

(Ausgabe Juni 2003)
über den

Kunstverein Wetzlar



Los der Provinz? Unbehaust ist er. Immerzu auf Wanderschaft. Und daher: "40 Jahre alt und keinen Schritt weiter". Das ist die Zustandsbeschreibung des Kunstvereins Wetzlar, artikuliert durch dessen Vorstand. "Andere haben Häuser und kein Geld, bei uns ist es viel dramatischer", sagt Gert Heiland, zweiter Vorsitzender und seit zwölf Jahren an Bord. "Der Verein hält ehrenamtlich die Fahne hoch und versucht vergeblich, einen Raum zu bekommen, in dem er eigenverantwortlich etwas machen kann."

Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 ist die Institution, die derzeit 160 Mitglieder zählt, ohne Dach. Nicht einmal ein Dauerdomizil ist in Aussicht. Man "springt zwischen drei Räumen". Dem Stadthaus, der Kreisverwaltung ("Die Verwaltungsräume sind groß, geben aber keine Möglichkeit zu Wochenendöffnungen oder Abendveranstaltungen", so Heiland) und schließlich dem Stadtmuseum. Das offeriert, und zwar "nur, weil mit dem Museumsleiter gut Kirschen essen ist", mitunter seine Wechselausstellungsfläche. "Den Museen" - das kleine Wetzlar besitzt ganze sechs, darunter ein Industriemuseum und eine opulente Möbelsammlung - "geht es gut", weiß Heiland, im Hauptberuf Kulturredakteur. Nicht nur ihnen. Die Zuwendungen an die Sportvereine stünden in keinem Verhältnis zur städtischen Unterstützung für den Kunstverein, die sich in einem gelegentlichen projektbezogenen Obulus erschöpfe, klagt Heiland. Zwar organisisert er Vortragsabende oder Exkursionen zu Ausstellungen in verschiedenen Frankfurter Museen, die Präsentation von Kunst aber komme zu kurz.

Immer weniger Ausstellungen können stattfinden. Früher waren es fünf bis sechs. So viele verbietet die Finanzlage heute. Der Verein wirtschaftet mit 5000 Euro. Immerhin reicht das, um heuer Studenten aus dem benachbarten Gießen mit ihren Arbeiten vorzustellen. "Die Unistadt", so Heiland, "hat zwar mit Friedhelm Häring einen regen Ausstellungsleiter, der mit Kongresshalle und altem Schloss spielen kann, dafür gibt es keinen funktionierenden Kunstverein, den haben wir." Ob die 40-Jahrfeier im September 2004 kommunalpolitisch groß was bewirken kann? "Doch, wir feiern", verspricht Heiland, "aber halt nur ganz klein."


Dorothee Baer-Bogenschütz
 
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