Wetzlarer
Kunstverein

Berichte über Vereinsaktivitäten
Wetzlarer Kunstverein
Kunstverein zeigt Symbiosen von
Jürgen "picho" Pichotta
und Anne Held


Entdeckungen in Silber und Öl


Wetzlar. Sie ritzt, kratzt, malt und kreiert. Legt Formen, Farben und Linien über und in die Fotografien von Jürgen "picho" Pichotta - mal dezent, bewusst zurückgenommen, mal intuitiv, kräftig, verstärkend. Mit Feingefühl hat sich Malerin Anne Held in die Welt des Wetzlarer Fotografen, in die Struktur seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen hinein begeben, um mit gelungenen Akzenten wieder aufzutauchen. "Die Werke sind durch gegenseitigen Respekt charakterisiert." So fasste es Dr. Georg Kleinhans in seiner Laudatio am Sonntag vor fast 100 Vernissage-Besuchern in Worte. Entstanden ist aus dem ungewöhnlichen Zusammenwirken der Künstlerkollegen eine beeindruckende Ausstellung, die der Wetzlarer Kunstverein bis zum 3. April in seiner Galerie in der Hauser Gasse 17 zeigt.


Anne Held und picho

Anne Held und Jürgen "picho" Pichotta

An das verwendete Material der Malerei und der Fotografie knüpft dabei der Titel der Präsentation an: "Öl & Silber". Doch auch schillernd, ja geheimnisvoll mutet das Begriffspaar an. Und in der Tat, auch beim zweiten Blick erschließt sich Neues, der Betrachter ist zur Entdeckungsreise aufgefordert.

Denn was in Wetzlar zu sehen ist, bleibt nicht Addition; durch die Symbiose von Fotografie und Malerie entstehen eigene Geschichten. Die fotografischen Motive, die Basis der Ausstellung, sind dabei ganz unterschiedlich. "Ich habe die Fotografien aus dem Archiv gewählt, von denen ich meinte, dass aus ihnen noch mehr entstehen kann", sagt "picho", von dem der Anstoß zur fotografisch-malerischen Begegnung kam.

So brachte er im Dezember 2004 rund 50 Aufnahmen zu Anne Held, die sich, immer wieder begleitet vom Dialog, mit "picho" an Interpretation, Verstärkung, Vervollständigung begab. "Ich dachte daran, zunächst ein Konzept über alle Fotografien zu legen, nach einem Überblick war jedoch klar, dass dies nicht geht", blickt die Wetzlarin zurück. "Ich habe mir dann jedes Bild einzeln vorgenommen und spontan reagiert."



Ganz einfach auf den Kopf gestellt hat Held dabei etwa die Vorlage eines Trockengestells für Fische. Das Gerüst, verwinkelt und mit viel Struktur, wird dabei zum grafischen Anknüpfungspunkt. Leicht und transparent führt Held die Balken malerisch fort, der Betrachter sucht den Übergang und erkennt dennoch den Eingriff, auf den fast spielerisch, auch minimal rot-weiße Farbspiele verweisen.

Stärker aufgetragen hat die Malerin dagegen für eine südlich anmutende Tür- und Treppenfotoserie, die Pichotta im Kalkwerk bei Limburg eingefangen hat. Leuchtend rot füllt sie ein Rechteck, zieht in Farbe markant die Horizontale durch das Weiß mit Schatten oder bricht per Diagonale die sonstige Bildstruktur. Doch nie verstellt Öl den Blick auf Silber, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Fotografie.

Raum für Fantasie und Deutung schafft Held mit anderen Exponaten. Eine verlassene Fabrikhalle mit Container dreht sie wieder um, fügt in Umrissen Menschen hinzu, abgewandt, hinter Gitter, kauernd. "Anne Held hat den Raum mit Personen gefüllt, aber er bleibt leer", so Dr. Kleinhans. Hinzu kommen kalte Farben, ein Stuhl, der unter der Decke hängt, ein faszinierendes Bild der Ausstellung. "Interpretation in Silber, Verstärkung in Öl." Nicht weit entfernt wird Hoffnung signalisiert. Ausgezehrten, kargen Boden hat "picho" fotografiert. Held führt die Risse fort, macht sie zur Linie, zu den Beinen für vier Gestalten darüber, die einem Blatt folgen - dem Leben. "Nie zu viel, nie zu wenig" habe Held an der Fotografien verändert, so Kleinhans. Ein Urteil, das Besucher freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung überprüfen können. Der Eintritt ist frei.
 

"Ausgezehrten, kargen Boden hat "picho" fotografiert. Held führt die Risse fort, macht sie zur Linie, zu den Beinen für vier Gestalten darüber, die einem Blatt folgen - dem Leben."

Sabine Preisler in der "Wetzlarer Neuen Zeitung", 8. März 2005



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