Wetzlarer
Kunstverein

Berichte über Vereinsaktivitäten
Wetzlarer Kunstverein
Werkstattgespräch in der Galerie des Kunstvereins


Austauschen über Symbiosen


Wetzlar. Sie bezeichnen ihre gemeinsamen Arbeiten als die Symbiose aus Fotografie und Malerei. Die Malerin Anne Held und der Fotograf Jürgen "picho" Pichotta. Vieldeutig in ihrer visuellen Wahrnehmung und folglich auch in ihrer Interpretation. Das Werkstattgespräch mit den beiden Künstlern in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins sollte dem Verständnis der bis 3. April dauernden Ausstellung dienen. Unter der Moderation des 2. Vorsitzenden Gert Heiland entwickelte sich ein lebhafter Austausch zwischen Künstlern und den rund 20 Besuchern, der interessante Aspekte bot.

Entstehung und Ergänzung der Arbeit gleichen der Kräfteverteilung von Legislative ("picho") und Exekutive (Held). Die Malerei verarbeitet, komplettiert, erweitert oder vertieft in Öl die Schwarzweiß-Vorgabe des Fotografen. Sensibel berichtete sie von Momenten des Zugangs, die sie braucht, um das Bild zu "bearbeiten". Dabei ist Held sich ihrer künstlerischen Verantwortung bewusst, weil sie nach eigener Angabe viel Respekt vor "pichos" Fotografien hat. Mit der Zugabe soll zwar ein neues Bild entstehen, das Foto im Ursprung aber auch erhalten bleiben.


»picho« (rechts) und Anne Held (3. von rechts) im Gespräch mit Kunstfreunden.

»picho« (rechts) und Anne Held (3. von rechts) im Gespräch mit Kunstfreunden. (Foto: Gerbig)

Der experimentielle Spagat hält nicht immer die Balance. Das zeigte sich an den Reaktionen der Besucher. Etwa bei der Präsentation des in die Tiefe gehenden Kanals in Venedig. Der winterlichen Tristesse wollte die Malerin mit gelben "Vorhang"-Flecken den Sog der Tiefe nehmen. Wohl gelungen. Aber auch ein Gefühl des Ausgesperrtseins vermittelt es manchem. Bei diesem Bild oder dem roten Mund über der Tastatur der Hammondorgel braucht sie die Farbe zur Akzentuierung. "picho" verweigert sich ihr. "Farbfotografien sind mir zu geschwätzig", positioniert er seine Vorliebe für die Schwarzweiß-Fotografie.

Gesprächsstoff lieferte auch die Fabrikhalle. Der anwesende Krimiautor stellte Assoziationen zu seinem Genre her, während die sensiblere Kunstbetrachterin die latent durchschimmernde Kälte eines Edward Hopper wahrnahm. Mit ihrem Appell an die Kräfte des Unterbewusstseins formulierte Held einen Weckruf für den kreativen Schlummer. Kontrolliert oder unkontrolliert: Ergebnisse gibt es immer.

Die bis zum 3. April 2005 gezeigte Schau im Alten Rathaus, Hauser Gasse 17, ist freitags von 16 bis 19 Uhr (außer Karfreitag), samstags von 11 bis 14 und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung, (06449) 92097, geöffnet. Eintritt frei.
 

"Wetzlarer Neue Zeitung", 22. März 2005



»picho« und Anne Held »picho« und Anne Held »picho« und Anne Held »picho« und Anne Held »picho« und Anne Held
»picho« und Anne Held »picho« und Anne Held »picho« und Anne Held

 
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