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Wetzlarer Kunstverein
Ausstellung des Kunstvereins zeigt Werke von Thomas Vinson


Die Grenzen erkennen


Wetzlar. Es ist, was es ist. Oder ist es mehr? Was sehen wir, was nehmen wir wahr? Thomas Vinson, Künstler mit Lebens- und Arbeitsschwerpunkt in Gießen und Paris, setzt Schwarz und Weiß, ergänzt durch Grundfarben, nebeneinander, im Relief übereinander, gezielt, in klarer geometrischer Form. Kombiniert Weiß in Weiß, mit Material trefflich akzentuiert. In der neuen Ausstellung des Wetzlarer Kunstvereins ermöglicht Vinson, der in Houston die Bildhauerei studierte, beides, die leichte Betrachtung wie die Suche nach den Grenzen, zwischen dem Konkreten und dem Spiel der Augen, dem Wahrgenommenen. Möglich machen die drei Räume in der Hauser Gasse eine Werkschau des 1970 in Paris geborenen Künstlers.
 
Thomas Vinson
 
Und bereits von Weitem sind die Spuren des Vertreters der Konkreten Kunst sichtbar: mit schmalen Farbbalken – im Einklang mit dem Ausstellungstitel – "weiß-schwarz-rot", die im Wechsel vertikal und horizontal angebracht im Glas der Fensterquadrate des Alten Rathauses in Wetzlar schweben.
 
Eine Einladung zum Eintreten, die zunächst weiter in die Welt dieses Dreiklangs führt. Kräftige Farbstreifen, in Acryl in unterschiedlicher Breite exakt abgegrenzt aufgetragen, empfangen den Besucher. Und je länger der Betrachter vor dem Werk steht, umso mehr springt ihm vermeintlich das durch Schwarz und Rot rechts und links umfasste Weiß entgegen, verändern sich die Relationen. "Es geht Thomas Vinson darum, das zu finden, was lebendig ist", so hat es Kunsthistorikerin Susanne Ließegang aus Biebertal zur Vernissage am Sonntag beschrieben.
 
In Raum zwei wird das Auge erneut auf die Reise geschickt. Die Werke sind Aufforderung zum "Augen aufmachen" (Ließegang). So lassen etwa zwei Platten, gelb und weiß, in bestechender Schlichtheit versetzt, je nach Licht verschiedenste Perspektiven und Standpunkte zu.
 
Gegenüber hat Vinson, dessen Abiturschwerpunkte Mathematik und Philosophie auch heute noch in seiner Kunst gegenwärtig sind, auf Naturmaterial zurückgegriffen. Mit Acryl überzogen ist das Holz der drei Bretter, die er gekreuzt platziert hat. "Die Bretter werden neutralisiert, doch durch die Farbe nehmen wir umso mehr wahr, was sie sind", beschreibt Ließegang den Prozess des Sehens. Um das Erkennen, nicht um die Gleichsetzung geht es bei den insgesamt elf Werken, die in den Jahren 2000 bis 2005 entstanden sind.
 
Als Mittel wählt Vinson klare übersichtliche Form, seine Werke kommen leise daher, um erst nach und nach zu enthüllen, was ihnen eigen ist. Neben dem Farbauftrag nutzt der Künstler dazu auch Einschnitte und Auslassungen im Material sowie Collagen.
 
Die Ausstellung ist bis 17. Oktober 2005 freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Ein Gespräch mit dem Künstler findet am 28. September 2005, 19 Uhr, in der Galerie statt.
 

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