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Ausstellung "Museo" des Fotografen Thorsten Schimmel in Wetzlar


Orte des Bewahrens bewahren


Wetzlar (sab). Museumsräume, ihre Stimmungen und Exponate hat der Schleswiger Künstler Thorsten Schimmel fotografiert. Die ruhigen Bilder in Schwarz-Weiß sind in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins im Alten Rathaus zu sehen. Zur Eröffnung der Ausstellung "Museo" begrüßte Gert Heiland, zweiter Vorsitzender des Wetzlarer Kulturvereins, am Sonntag 25 Gäste, darunter auch den Fotografen selbst.

Die Museen nicht ihre Besucher hat Schimmel in seinen Fotografien festgehalten. Aus der mehr als 100 Bilder umfassenden Serie "Museo" präsentiert der Fotograf in Wetzlar 38 Aufnahmen. Die Motive sind dabei so vielfältig wie die deutsche Museumslandschaft. So stehen Detailaufnahmen einer Saiga-Antilope aus dem Bonner Museum "Alexander König" oder eines Sägefischs aus dem Frankfurter Naturmuseum Senckenberg neben Bildern, die die Königin-Mutter-Treppe in der Münchner Residenz, Flugzeuge im Technik-Museum Speyer oder Marlene-Dietrich-Fotografien im Berliner Filmmuseum zeigen.


Foto: Thorsten Schimmel
 
Foto: Thorsten Schimmel


Eines ist allen Bildern gemeinsam: "In diesen Museen ist kein Mensch", erläuterte Hartmut Schmidt, Direktor der Städtischen Museen Wetzlar, im Rahmen seiner Einführung in die Ausstellung. Während Künstler wie Caspar David Friedrich in ihren Gemälden Figuren zeigten, die den Betrachter darauf hinwiesen, wo er hinschauen müsse, mache Schimmel es dem Ausstellungsgast nicht so leicht. Zugleich strahlten die menschenleeren Museumsräume Zeitlosigkeit aus. Schmidt: "Das Schöne scheint erstarrt".

Arrangierte Exponate im Museum oder das Museum als Exponat an sich

Auf das sorgsame Arrangement der in den Museen ausgestellten Sammlungen habe Schimmel seinen Kamerablick er belichtet die Szenerie bis zu vier Minuten lang gerichtet. Zugleich scheine er dieser Ordnung aber vorsichtig zu misstrauen. Der leicht ironisch getönte Humor des Schleswiger Fotografen sei zu spüren, wenn er beispielsweise im Deutschen Meeresmuseum Stralsund die Wirbelsäule eines Finnwals fotografiere, der anmutig im leeren Schiff der als Ausstellungsraum dienenden gotischen Kirche schwimme. "Die A-Logik von Traum und Halluzination" spiegele sich in Fotografien wie dieser wider, so Schmidt.


Foto: Thorsten Schimmel
 

"Totenkult auf höchstem Niveau" präsentiere schließlich der historische Speisesaal des Schlosses Moritzburg bei Dresden. Zahllose Tierschädel mit Geweihen starren auf die weiße Tafel in der Mitte des Saales herab. "Das Gefressenwerden als notwendige Vorstufe der Unsterblichkeit" spiegele sich hier, so der Redner. Aber auch eine gewisse Skepsis des Künstlers gegenüber der Architektur neuerer Museen sei in den Fotografien spürbar, sagte Schmidt. Die Bilder zeigten, dass in manchem großartigen Museumsbau das Exponat fast zum verzichtbaren Beiwerk werde.


Foto: Thorsten Schimmel
 

Die Ausstellung "Museo" ist bis Sonntag, den 9. April, im Alten Rathaus in Wetzlar, Hauser Gasse 17, zu sehen. Geöffnet ist sie freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Quelle: Bericht der Wetzlarer Neuen Zeitung
 

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